Die häufigsten Vorurteile im Check

Elektroautos: Was taugen sie wirklich?

Die Elektromobilität ist auf dem Vormarsch und nimmt Fahrt auf – unaufhaltsam. Schon heute, aber vor allem in Zukunft, wird die individuelle Mobilität mehr und mehr elektrisch sein. Der Umstieg von Autos mit herkömmlichen Verbrennungsmotoren auf Elektroautos (BEV) würde sicherlich noch schneller vonstattengehen, wenn sich gewisse Vorbehalte nicht so hartnäckig halten würden. Wir räumen hier mit den acht häufigsten Vorurteilen auf.

 

1. Geringe Reichweite

«Reichweitenangst» ist heute noch das häufigste Argument, das bei Vorbehalten gegenüber der Elektromobilität genannt wird. Doch je grösser die Reichweite von elektrifizierten Fahrzeugen wird, desto weniger gibt es Grund zur Angst, mit leerer Batterie stehen zu bleiben. Gegenwärtig kommen die gängigsten Elektroautos mit einer vollen Ladung 120 bis 600 Kilometer weit. Die effektive Reichweite hängt zudem immer vom Fahrstil, den Wetterbedingungen, der Aussentemperatur und dem Alter der Batterie ab. Modelle wie der Audi e-tron, der VW ID.4, der ŠKODA ENYAQ iV oder das CUPRA-Modell Born sind mit ihrer jeweiligen maximalen Reichweite auch gut für längere Fahrten geeignet.

Für alltägliche Strecken sind Elektroautos schon längst in der Gegenwart angekommen. 

 

2. Zu teuer

Im letzten Jahrzehnt sind die Preise für Lithium-Ionen-Akkus um mehr als den Faktor zehn pro Kilowattstunde Speicherkapazität gesunken. Das hat sich zusammen mit dem grösseren Angebots- und Produktionsvolumen direkt auf die Endpreise der Elektroautos ausgewirkt. Weitere signifikante relative Verbilligungen der BEV gegenüber Verbrennern treten zudem immer dann auf, wenn die Zielwerte für den CO₂ -Ausstoss von Personenwagen verschärft und das Nichterreichen mit einer Lenkungsabgabe sanktioniert wird.

Der Branchenverband auto-schweiz geht davon aus, dass im Jahr 2020 die Gesamtsumme für solche Abgaben für Personenwagen und leichte Nutzfahrzeuge einen tieferen dreistelligen Millionenbetrag ausmachen wird. In ganz Europa könnte der gesamte Abgabenbetrag gemäss Berechnungen des Beratungsunternehmens Jato Dynamics in den kommenden Jahren deutlich steigen – wenn keine Massnahmen wie die Förderung von Elektroautos ergriffen werden. Ein Grossteil dieser Abgaben wird die Preispolitik für die Verbrennerfahrzeuge beeinflussen und damit die Elektrofahrzeuge indirekt vergünstigen.

Schon heute besteht kaum noch ein signifikanter Preisunterschied zwischen einem E-Auto und einem vergleichbaren Verbrenner. Vergleichen lohnt sich also. Und nicht vergessen: Die Servicekosten sind bei einem BEV niedriger als bei einem Verbrenner.

 

3. Langer Ladevorgang

Die Ladedauer eines Elektrofahrzeugs hängt von drei Faktoren ab: Batteriekapazität, Ladetechnik des Akkus und Ladeleistung des Stromanschlusses. Ausserdem spielt es eine Rolle, ob der Akku vollständig oder nur bis zu 80 Prozent geladen wird. Die letzten Prozent dauern verhältnismässig lange. Wer das Elektroauto zu Hause an einer Wallbox auflädt, braucht länger als mit einer Schnellladung an Tankstellen oder Autobahnraststätten. Zu Hause hat man aber auch mehr Zeit und muss nicht darauf warten, bis die Batterie wieder voll ist – vor allem, wenn das Auto über Nacht ans Stromnetz angeschlossen wird.

Die Ladeleistung variiert zwischen 3,7 und 350 Kilowatt, was umgerechnet einer Kaffeepause von wenigen Minuten beziehungsweise einer Wartezeit von mehreren Stunden entspricht. Grundsätzlich lässt sich die Ladezeit eines Elektroautos mit dieser Formel einfach selbst berechnen: Akkukapazität (kWh) / Ladeleistung (kW) = Ladezeit (h).

 

4. Brandgefahr bei Unfällen

Es kann nie ganz ausgeschlossen werden, dass ein Fahrzeug bei einem Unfall oder wegen eines Defekts Feuer fängt – unabhängig von der Antriebsart. Es gibt jedoch keine Belege, dass Elektroautos eher zum Brennen neigen als Autos mit Verbrennungsmotor. Ausserdem müssen alle Autos, die eine Zulassung bekommen, die gesetzlichen Sicherheitsanforderungen erfüllen. Das gilt für alle Fahrzeuge, die mit Benzin oder Diesel, Erd- oder Flüssiggas oder elektrisch mit einer Batterie betrieben werden.

Bei den Elektroautos müssen die elektrischen Komponenten «eigensicher» sein, sodass der Stromfluss der Batterie unterbrochen wird, wenn ein Defekt auftritt. Die Batterie wird bei einem Unfall augenblicklich und automatisch von den anderen Hochvoltkomponenten und Hochvoltkabeln getrennt, damit dort keine Spannung mehr anliegt. Wenn es doch einmal brennt, muss die Feuerwehr grössere Sicherheitsabstände einhalten und braucht mehr Löschwasser. Alles in allem ist ein Elektroauto jedoch genau so sicher wie jedes andere Auto.

 

5. Wenig Ladestationen

In der Schweiz ist das Netz an Ladestationen schon heute gut ausgebaut. Auch im internationalen Vergleich schneidet die Schweiz sehr gut ab. Rund 2500 öffentliche Ladestationen stehen über das ganze Land verteilt zur Verfügung. Insgesamt listet das European Alternative Fuel Observatory für die Schweiz 7000 Ladeanschlüsse auf. Der Ausbau ist auf Investitionen der öffentlichen Hand, aber auch durch die Privatwirtschaft zurückzuführen.

Vor allem Elektrizitätsunternehmen, Detailhändler, Hotels und Gastronomiebetriebe haben Ladestationen installiert. Zudem werden in Bern und in Schlieren im Rahmen eines Pilotversuchs in der blauen Zone Strassenlaternen zu Ladestationen umgerüstet. Auch in Basel läuft ein Pilotprojekt mit Ladeinfrastruktur in der blauen Zone. Selbst wer zu Hause keine Lademöglichkeit hat, kann sein Elektroauto in Zukunft zunehmend vor der eigenen Tür aufladen. Für längere Fahrten ins Ausland, zum Beispiel in die Ferien, ist etwas Planung nötig, damit man entspannt ans Ziel gelangt.

 

 

6. Zu schwer

Eine Batterie in einem Elektroauto wiegt zwischen 300 und 750 Kilogramm und ist damit ganz klar ein Faktor, der ins Gewicht fällt. Je schwerer ein Auto ist, desto mehr Energie muss

aufgewendet werden, um es zu bewegen. Das verschlechtert die Umweltbilanz. Dafür ist die Antriebseinheit eines E-Autos deutlich leichter als ein Verbrennungsmotor und braucht weder ein konventionelles Getriebe noch eine Kupplung. Bei einem ID.4 ist die Antriebseinheit zum Beispiel 90 Kilogramm schwer.

Zum Vergleich: Ein Verbrennungsmotor und ein manuelles oder automatisches Getriebe wiegen je nach Hubraum zusammen zwischen 150 und 300 Kilogramm. Unter dem Strich bringt ein Elektroauto wegen der Batterie tatsächlich mehr Gewicht auf die Waage, aber doch nicht so viel, wie manche denken.

 

7. Kompliziertes Bezahlen

Wird das Elektroauto zu Hause an einer Wallbox geladen, erscheinen die Kosten für die Batterieladung auf der nächsten Stromrechnung. Das ist wohl die einfachste Lösung. Unterwegs kann man via App, mit einer Ladekarte oder einer Kreditkarte bezahlen, was zwar vielfältiger, aber auch nicht wirklich kompliziert ist.

In Zukunft werden die Authentifizierungsdaten im Auto hinterlegt sein. Sobald das Auto an eine Ladestation angeschlossen wird, wird es erkannt und die Abrechnung erfolgt automatisch. Und gar nichts bezahlen muss man an gewissen öffentlichen Ladestationen, wie etwa auf Parkplätzen von Grossverteilern.

 

8. Gar nicht umweltfreundlich

Hartnäckig hält sich das Vorurteil, dass ein Elektroauto sogar umweltschädlicher ist als ein Verbrenner, wenn man die CO2-Emissionen berücksichtigt, die bei der Produktion des Fahrzeugs und bei der Stromerzeugung für die Energie anfallen. Neue Forschungsergebnisse der Universitäten von Exeter (GB), Cambridge (GB) und Nijmegen (NL) zeichnen ein anderes Bild. Gemäss der Studie verursachen Elektroautos in den meisten Fällen insgesamt weniger Emissionen, auch wenn bei der Produktion fossile Brennstoffe verwendet werden. Ein Elektroauto soll in 95 Prozent der Fälle klimafreundlicher sein als ein vergleichbarer Verbrenner. Je höher die Kilometerleistung ist, desto effizienter wird ein E-Auto.

Am umweltfreundlichsten ist die Elektromobilität, wenn möglichst viel Strom, der zum Aufladen der Batterie benötigt wird, aus erneuerbaren Energien stammt. Ist das wie in der Schweiz der Fall, sind über ein ganzes Autoleben die gesamten Emissionen eines Elektrofahrzeugs bis zu 70 Prozent tiefer als bei einem Verbrenner.

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